Seite auswählen

Die Debatte darüber, ob und wie der ehemalige Stasi-Kinosaal durch das Schulmuseum und das Bürgerkomitee Leipzig e. V. für Ausstellungen genutzt wird, verschärft sich zunehmend. Ich sehe langsam  wirklich die  Gefahr, dass die Debatte in eine Richtung läuft, in der die eine Seite der anderen vorwirft, die Ziele der friedlichen Revolution zu verraten, während die andere – die zum Teil genauso Teil der Revolution war – sich gegen diesen Vorwurf mit allen Mitteln zur Wehr setzt. Das aber erscheint mir – um ein Lieblingswort der damaligen Zeit zu nutzen – der absolut Wahnsinn zu sein!

Es gibt einen ganz klaren Konsens, dass wir (und ich selber war nicht Teil der 89er Revolution, sondern stand mit großen und feuchten Augen auf der anderen Seite der Mauer in Berlin) Stolz auf das sind, was Leipzigerinnen und Leipziger 1989 geschaffen haben und dass der damalige Freigeist die Menschen unserer Stadt noch heute auszeichnet!

Meine Anregung wäre, dass wir darüber sprechen sollten, wie wir dieses Unikum, diese Besonderheit, dieses historische Vermächtnis in unserer Stadt umfassend und mit Stolz würdigen! Es ist doch unwürdig, wenn sich eine solch zentrale Frage an den formalen Nutzungsrechten eines Saales entzündet und die gemeinsamen Mitstreiter von damals und diejenigen, die ihnen, wie ich selber, als „Zugezogene“ noch heute für ihren Mut und ihr Engagement dankbar sind, sich darüber in die Haare kriegen! In diesem Zusammenhang kann man auch gleich  klären, wie wir mit dem Freiheits- und Einheitsdenkmal umgehen. Leipzig und die friedliche Revolution haben mehr verdient, als dass, was wir gerade erleben! Vielleicht sollte man die Kultur des Runden Tisches von damals wiederbeleben – und zwar schnellstens – anstatt sich über Pressemittelungen (verbale) Steine an den Kopf zu schmeißen, die Wunden reißen, die noch lange das Klima in dieser Stadt vergiften werden. (27.8.16)