Mein beruflicher Werdegang

Geboren 1963 wuchs ich im Zentrum des Ruhrgebiet, in Mülheim auf – nicht wissend, dass Hannelore Kraft, zwei Jahre jünger als ich selber, damals meine Nachbarin war und nur knapp 900 m von uns entfernt wohnte. Für mich war schon in jungen Jahren klar, dass ich gerne Chemiker werden wollte. Auch wenn unsere familiären Mittel sehr begrenzt waren, haben meine Eltern mich schon sehr früh bei diesem Traum unterstützt – der Gedanke, dass es meinem Bruder und mir durch Bildung einmal besser gehen sollte als ihnen selbst, war bei ihnen tief verwurzelt. Und auch wenn beide selbst nur die Volksschule besucht hatten, sind sie ihren Weg gegangen: Mein Vater, der als Maurer Hochöfen baute und reparierte, und meine Mutter, die die beiden Söhne großzog und zugleich im Gastronomiebereich tätig war

Weihnachtsfeier 1982 mit alleinstehenden Menschen, die ich als Zivildienstleistender mit betreut habe

Dass das Leben nicht immer nur geradlinig verläuft, sondern auch Brüche und Schmerz umfasst, habe ich erstmals während meines Zivildiensts im sozialen mobilen Hilfsdienst der evangelischen Kirchgemeinde in Duisburg-Neudorf gelernt. Dabei habe ich ältere und kranke Menschen zu Hause betreut. Auch heute noch kann ich bei meinem Engagement für die Diehl-Zesewitz-Stiftung auf diese Erfahrungen zurückgreifen. Nach dem erfolgreichen Abschluss meines Studiums in – damals noch „West“ – Berlin hatte ich die Möglichkeit, als frischgebackener Biochemiker beim damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Wolf-Michael Catenhusen erste Einblicke in die Arbeitsweise des Deutschen Bundestages nehmen zu können. Und während in Berlin 1989 die Mauer fiel, habe ich bei der Europäischen Kommission in Brüssel erste Berufserfahrungen gesammelt – zeitlich zwar begrenzt, aber dennoch ausreichend, um eine Begeisterung für den europäischen Gedanken und die Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Nationen aufzubauen.

Wieder zurück in Deutschland beschäftigte ich mich zunächst bei der Berufsgenossenschaft mit Fragen des Arbeitsschutzes in der chemischen Industrie und mit der Debatte um die Nutzung gentechnischer Methoden in der Medikamentenherstellung und Lebensmittelverarbeitung. Danach war ich zunächst im Deutschen Bundestag tätig – diesmal bei der SPD-Abgeordneten und späteren Forschungsministerin Edelgard Bulmahn und dann bei einem Umweltverband.

Gerade als Biochemiker war mir der verantwortungsvolle Umgang mit dieser neuen Technologie wichtig – und das bedeutete für mich: Kritische Fragen ohne Rücksichtnahmen stellen, Erfahrungen schrittweise sammeln und ausreichend Sicherheitsforschung betreiben. Sehr schnell kristallisierte sich jedoch heraus, dass es zwei Denkschulen in der politischen Debatte gab und bis heute gibt. Die einen – zu denen ich gehörte und gehöre – die Fragen stellten, um auf Grundlage der Antworten die Technologie zu bewerten, und diejenigen, denen die Antworten eigentlich egal waren, weil sie fundamental gegen die Technologie eingestellt sind.

In den Folgejahren habe ich mich in unterschiedlichen Unternehmen weiter mit der Gentechnologie, ihrer Erforschung und der Nutzung in Deutschland beschäftigt. Zunächst bei einem familiengeführten, mittelständischen Saatguthersteller, dann als Vorstand der BIO Deutschland, einer Interessensgruppe von Unternehmen, und später als Geschäftsführer eines Verbandes. Parallel dazu verfasste ich berufsbegleitend meine Doktorarbeit. 2002 bot sich mir dann erstmals die Möglichkeit, berufliche Erfahrungen in den neuen Bundesländern zu sammeln. In der kleinen Netzwerkorganisation, die ich als Geschäftsführer leitete, ging es darum, kleine und große Unternehmen sowie Forschungsinstitute aus dem Bereich der Biotechnologie zu unterstützen, enger zusammenzuarbeiten – und zwar länderübergreifend. Diese Zeit prägte mich stark. Denn zum einen musste ich ganz unterschiedliche Interessen zusammenführen und gleichzeitig bekam ich sehr konkret mit, wo den Unternehmen der Schuh drückte, und welchen enormen Einfluss das politische Umfeld für die Entwicklung bestehender und sich neu entwickelnder Industriebereiche besitzt.

Trotz vieler Forschung und Anstrengungen gelang es der Gentechnik nicht, als Technologiefeld in Deutschland Fuß zu fassen. Nachdem faktisch sämtliche Unternehmen in diesem Bereich, egal ob Start-up, Mittelständler oder multinationaler Konzern nach und nach ihre Entwicklungs- und Forschungsanstrengungen ins Ausland verlagert hatten oder in den Konkurs gegangen waren, wollte und musste ich beruflich einen radikalen Schritt gehen.

Zentrales Thema meiner beruflichen Laufbahn: Die verantwortungsvolle Nutzung moderner Technologien

Meiner Frau und mir war sehr schnell klar, dass unsere Zukunft in Leipzig liegen sollte, einer Stadt, die wir bereits vorher über viele Jahre kennen und lieben gelernt haben.

Heute arbeite ich als Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) mit einem kleinen Team daran, die Zusammenarbeit zwischen der Zulieferindustrie in Ostdeutschland, den Forschungsinstituten und den großen Automobilherstellern zu unterstützen. Wir organisieren Workshop, Konferenzen und Messen zwischen den verschiedenen Akteuren und fördern junge Forscher und Unternehmen mit einen Innovationspreis. Dabei verfolgen wir vier Ziele:

Im Gespräch mit Staatsminister Martin Dulig (SPD) auf der Automobilzulieferermesse Z in Leipzig

  • Unternehmen und Forscher sollen ihre eigenen Erfahrungen untereinander austauschen und voneinander lernen. Dazu gehören Fragen wie : Wie organisiere ich die Qualifizierung von Mitarbeitern? Wie gehe ich mit dem neuen Wirkstoff um? Wie habe ich Schwierigkeiten beim Energiemanagement gelöst?
  • Der Austausch soll helfen neue technologische Entwicklungen zu bewerten, so dass sich Unternehmen in ihrer Produktion und Forschung darauf einrichten können, damit sie auch in der Zukunft in der Lage sind, wettbewerbsfähige Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Das umfasst z.B. die Diskussion über den Einsatz von neuen Werkstoffen (Leichtbau, 3D-Druck), Zukunft der Elektromobilität, Zukunft der Digitalisierung, Zukunft der Mobilität, autonomes Fahren etc. pp.
  • Das gegenseitige Kennenlernen soll die Vertrauensbasis für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte schaffen, so dass know-how aus der Region auch in der Region genutzt wird.

Mit dieser Arbeit wollen wir dazu beitragen, möglichst viel von den Innovationen, die bei uns in den neuen Bundesländern entwickelt werden, auch für die wirtschaftliche Weiterentwicklung und Stabilisierung in der Region zu nutzen.